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„Keep it simple, keep it straight!“
Warum die personelle Reduktion ERP-Migrationen rettet

Strategischer Impuls von Robert Hoffmann | IT- und Organisationsberatung

Große Projektteams im Migrationsprozess sind selten ein Zeichen von Kompetenz – meist sind sie das Resultat von Abteilungsdiplomatie. Wer komplexe Verlagsdatenmodelle erfolgreich migrieren will, muss die Informationskanäle radikal begrenzen und das Prinzip „Aus einer Hand“ konsequent leben.

1. Die mathematische Falle der Teamgröße

Es ist ein klassisches Phänomen in IT-Projekten von Fachverlagen: Aus politischen oder diplomatischen Gründen wächst das Team zur Spezifikation einer Datenmigration unaufhaltsam. Jede Abteilung möchte ihre „Experten“ platzieren. Das Resultat ist eine personelle Überfrachtung des Kernteams mit Personen, die im operativen Prozess verbleiben, sich jedoch mangels tiefem DB-Verständnis in Nebensächlichkeiten oder extremen Einzelfallbeispielen verlieren.

Die Organisationstheorie liefert hierzu eine unbestechliche mathematische Erklärung über bilaterale Kommunikationsbeziehungen. Während ein fokussiertes Team von 4 Personen lediglich 6 Kommunikationskanäle koordinieren muss, explodiert diese Zahl bei einem politisch aufgeblähten Team von 12 Personen auf schlagartig 66 Kanäle. Das Team ist primär mit sich selbst und der Bewältigung des Kommunikationsrauschens beschäftigt, anstatt das relationale Datenmodell zu strukturieren.

„Die Praxis zeigt: Ein durchschlagend positives Projektergebnis wird erzielt, wenn das Spezifikationsteam strikt auf maximal 3 bis 4 feste Köpfe je Entität im Datenmodell begrenzt wird. Weniger Strömungen bedeuten mehr Fokus auf das Wesentliche.“

2. Das Inverted-U-Modell: Wenn zu viele Informationen den Nutzen senken

In der Informationsökonomie (stark geprägt durch Ökonomen wie Prof. Arnold Picot) beschreibt das sogenannte *Inverted-U-Modell* den exakten Verlauf von Informationsmenge und Entscheidungsqualität. Bis zu einem mathematischen Maximum steigt der Nutzen mit der Menge der Daten. Wird dieser Scheitelpunkt jedoch überschritten, setzt der *Information Overload* ein.

Im Migrationsprojekt äußert sich dieser Overload im krampfhaften Versuch, jeden noch so irrelevanten Altdatensatz und jeden obskuren Sonderfall aus den letzten zwanzig Jahren softwareseitig abzubilden. Das überflüssige Analysieren von Scheinkomplexitäten senkt den realen Projektwert dramatisch und führt zur gefürchteten Lähmung des Fortschritts (*Analysis Paralysis*).

Ergänzt wird dies durch das berühmte *Brooks’sche Gesetz* der IT: Das nachträgliche Hinzufügen von Personal zu einem bereits verzögerten Softwareprojekt verzögert dieses nur noch weiter. Qualität entsteht durch strukturelle Dichte, nicht durch personelle Masse.

3. Die pragmatische Lösung: Das „Aus einer Hand“-Prinzip und klare Untergrenzen

Um diese klassischen Effizienzfresser zu eliminieren, setze ich auf eine kompromisslose Verknüpfung von Analyse und Realisierung: Die Person, die Ihre fachlichen und prozessualen Anforderungen aufnimmt, beherrscht das relationale Datenmodell im Backend und schreibt die SQL-Migrationsstrecken selbst. Die klassische, fehleranfällige Informationsbruchstelle zwischen einem reinen Fach-Consultant und einem externen Programmierer existiert in meiner Arbeitsweise nicht.

Dazu gehört auch der Mut zu pragmatischen, ökonomischen Untergrenzen im Migrationsdesign. Eine bewährte Faustregel lautet: Keine dedizierten, automatisierten Migrationsverfahren für Entitäten mit einem Gesamtbestand von unter 500 Datensätzen. Solche Kleinstmengen werden qualitätsgesichert und kostengünstig manuell über qualifizierte Projektunterstützung aufgearbeitet.

Zwar verschieben sich diese wirtschaftlichen Grenzen durch den zukünftigen Einsatz von agentischen KI-Systemen im Browser-Umfeld zunehmend – die methodische Pflicht zur Komplexitätsreduktion bleibt für den Projekterfolg jedoch bestehen.